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Elektro-Hype und Biogas-Tatsachen

10.10.2022

Auch die LKW-Branche muss sich wandeln, CO2-Emissionen reduzieren und sagt dem Diesel daher „Adieu“. Die weltweit wichtigste Messe, die IAA in Hannover, zeigte, wie die Zukunft der Nutzfahrzeugindustrie aussieht. In der Welt der Busse, Transporter, Trucks, Anhänger und Aufbauten spielt nicht nur Elektro, sondern auch Biogas eine wichtige Rolle.

Rund 530.000 LKW sind in Deutschland unterwegs, davon werden aktuell nicht einmal 500 Stück von einem Elektromotor angetrieben. Dennoch präsentierten viele Hersteller an der größten Nutzfahrzeugmesse, der IAA in Hannover, aktuell eine Fülle an Elektro-LKW. Volvo, Mercedes oder auch der chinesische Hersteller FAW wollen ab 2030 mindestens die Hälfte ihrer Neufahrzeuge mit Elektroantrieb ausliefern. MAN stellte einen neuen Elektro-LKW mit einer Reichweite von 800 Kilometern vor, der 2024 auf die Straße kommen soll. Und das Joint-Venture von Iveco und US-Hersteller Nikola will seinen E-Truck schon 2023 in Europa anbieten.

Der Elektro-Hype auf der größten Branchenmesse ist nicht ganz freiwillig, denn die EU-Politik verlangt für schwere Lastwagen eine Verringerung des CO2-Ausstoßes im Vergleich zu 2020 um 15 Prozent ab 2025 und um 30 Prozent ab 2030. Wie Hyundai, das in der Schweiz rund 50 LKW mit Brennstoffzellen-Antrieb im „Pay-per-Use“-System einsetzt, will Volvo Trucks unter anderem auf Brummis mit Wasserstoffantrieb setzen. Die Kundentests der zusammen mit Mercedes entwickelten Fahrzeuge sollen 2025 beginnen – also frühestens in drei Jahren.

Dabei wird leider viel zu oft vergessen, dass man den CO2-Austoss schon jetzt mit einer zuverlässigen und auch für den Fernverkehr tauglichen Technologie massiv reduzieren oder sogar eliminieren kann: dem CNG- beziehungsweise dem LNG-Antrieb. Mit Biogas oder Bio-LNG ist man damit selbst mit den großen LKW heute schon nahezu CO2-neutral von A nach B unterwegs. Dem sind sich auch der schwedische Hersteller Scania und die italienische Marke Iveco bewusst. Die Italiener zeigen auf, dass man mit Technologieoffenheit am besten in die Zukunft des Schwerverkehrs fahren dürfte.

Iveco präsentierte an der IAA in Hannover Fahrzeuge mit Gas-, Elektro- und Wasserstoff-Antrieb für eine Vielzahl von Einsatzformen – vom Stadt- bis zum Fernverkehr. Mit Biogas betriebene Fahrzeuge spielen für das Unternehmen eine wichtige Rolle bei der Erreichung von Nachhaltigkeits- und Netto-Null-Emissionszielen, da diese den zusätzlichen Vorteil haben, dass sie den Aufbau einer Kreislaufwirtschaft ermöglichen. Zu sehen war auf dem Iveco-Messestand ein Daily CNG-Kastenwagen für die Paketzustellung und ein S-Way Wechselbrückenfahrgestell mit LNG-Antrieb für den internationalen Fernverkehr. Der S-Way schafft dank zwei LNG-Tanks der neusten Generation à 540 Liter bis zu 1600 Kilometer Reichweite.

Der schwedische Hersteller Scania brachte neben anderen Neuheiten zwei neue, leistungsstarke Biogas-Motoren an die Messe mit. Dies ging Hand in Hand mit der großen Gas-Initiative von Scania zu Beginn dieses Jahres, als mehrere neue Gastanklösungen vorgestellt wurden. Die neuen 13-Liter-Motoren bieten 420 und 460 PS und decken den Großteil des hohen Leistungsbedarfs des europäischen LKW-Marktes ab – inklusive des Fernverkehrs.

„Sattelzüge für den Fernverkehr mit Zuggewichten von 40 Tonnen können jetzt mit verflüssigtem Biogas in ihren Tanks mit Reichweiten von bis zu 1400 Kilometern rechnen“, erläuterte Stefan Dorski, Senior Vice President und Leiter von Scania Trucks. „Da auch die Tankstellennetze schnell wachsen, sind LKW mit Gasmotoren zu einer wirklich starken Alternative für Kunden geworden, die aus der Nutzung fossiler Treibstoffe aussteigen und ihren CO2-Fussabdruck reduzieren wollen.“ Laut den Schweden reichen die Elektrifizierung und der geringere Verbrauch von Verbrennungsmotoren nicht aus, um die eigenen Ziele und die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Es müssten alle verfügbaren Mittel und Antriebstechnologien eingesetzt werden.

„Wir sehen in Biogas aus wirtschaftlicher Sicht ein großes Potenzial“, erklärte Dorski. „Mit der Flexibilität, der Wirtschaftlichkeit und der Reichweite, die wir jetzt bieten können, bin ich überzeugt, dass die Kunden erkennen werden, was für eine großartige Lösung das ist. Auch Märkte, in denen Gas früher nur eine untergeordnete Rolle spielte, verstehen jetzt, wie sehr dieser Treibstoff in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen hat. Der Betrieb von LKW mit Gasmotor ist im Vergleich zu anderen Alternativen einfach und bedeutet keine Abstriche bei Fahrbarkeit, Flexibilität oder Fahrerkomfort.“

Quelle: gaz energie

 

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